Über 100 Energiemanager, technische Leiter und Unternehmensinhaber trafen sich am 19. März 2026 auf Schloss Žďár nad Sázavou zum zweiten FLOWBOX Energy Intelligence Forum. Der gesamte Tag stand im Zeichen praxisnaher Energiewirtschaft: Mikronetze, Batteriespeicher, Gemeinschaftsenergie und Energiemanagement – ohne unnötige Theorie.

Das Schloss als Metapher
Wir haben diesen Veranstaltungsort ganz bewusst gewählt – denn er erzählt selbst eine Geschichte. Ein historisches Gebäude, hinter dessen Mauern ein moderner Ansatz zur Sanierung und Verwaltung pulsiert. Ganz wie in der Energiewirtschaft, wo traditionell arbeitende Unternehmen ihren Weg zu Dataintelligenz und Automatisierung suchen. Gastgeber des Tages war der Schlossinhaber Constantin Kinský, der mit seinem Eröffnungswort die Atmosphäre des gesamten Forums prägte – und ihr einen konkreten Rahmen gab: Nachhaltigkeit ist hier keine Ideologie und kein Marketingbegriff, sondern eine rein praktische Angelegenheit. Wer Vermögenswerte verwaltet, weiß sehr genau, dass nachhaltiges Wirtschaften kein optionaler Ansatz ist, sondern eine Überlebensbedingung. Genau dieser pragmatische Blick – Fokus auf den Betrieb, nicht auf das Image – resonierte mit dem, was auch alle anderen Referenten den ganzen Tag über vermittelten.

Energiemanagement und ISO 50001
Petr Gaman von FLOWBOX Energy eröffnete ein Thema, das praktisch jeden Industriebetrieb betrifft. Die Energiegesetzgebung ändert sich rasant: LEX OZE III ermöglicht unter anderem den Betrieb erneuerbarer Energiequellen bis 100 kW ohne Lizenz der Energieregulierungsbehörde, erlaubt die Gründung von Energiegemeinschaften mit bis zu 1.000 Mitgliedern und hat seit Oktober 2025 den Betrieb eigenständig angeschlossener Stromspeichergeräte legalisiert. Für Unternehmen mit Batteriespeichern ist der 1. Januar 2027 ein entscheidendes Datum – dann ändern sich die Netzentgelte für reservierte Kapazitäten.
Viktor Šaroch von TÜV Nord schloss mit dem Thema ISO-50001-Zertifizierung an und räumte gleich zu Beginn die häufigste Befürchtung aus dem Weg: Die Norm dreht sich nicht um Papierkram, sondern um ein funktionierendes System. Unternehmen, die sie korrekt einführen, erzielen typischerweise bereits in den ersten Jahren Energiekosteneinsparungen von 5 bis 20 % – ohne große Investitionen. Der Schlüssel liegt im Energieleistungskennwert EnPI. Jede Organisation legt ihn selbst fest und weist jährlich seine Verbesserung nach. Für Unternehmen mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch über 23.611 MWh ist die Zertifizierung gesetzlich vorgeschrieben; für alle anderen mit einem Verbrauch über 2.778 MWh ersetzt sie die sonst obligatorische Energieprüfung.
Batteriespeicher und Mikronetz: Von der Theorie zum realen Betrieb
Den Nachmittagsblock eröffnete Ivo Apfel von TESLA Energy mit einem Vortrag über Batteriespeicher – konkret darüber, wie man sie richtig dimensioniert, was ihre tatsächliche Amortisation beeinflusst und wo Unternehmen bei der Planung am häufigsten Fehler machen. Daran schloss sich eine Präsentation des FLOWBOX Mikrogrid-Moduls an. Jan Denemark zeigte, dass effizientes Mikronetz-Management nicht nur auf guter Technologie basiert, sondern auch auf der Qualität der Algorithmen – von einfachen Entscheidungsbäumen bis hin zu prädiktiven Modellen, die auf SPOT-Preise, Wettervorhersagen und den Produktionsplan des Unternehmens reagieren. Teil der Präsentation war auch eine Live-Demo des FLOWBOX Mikrogrid ROI-Simulators.
„Daten ohne Kontext sind nur Zahlen. Erst wenn man weiß, was einen Lastspitzenwert verursacht und was ihn unnötig verteuert, fängt man an, wirklich zu steuern – und hört auf, nur zuzuschauen." Jan Denemark, FLOWBOX
Gemeinschaftliche Energieversorgung und LDS-Betrieb: Praxisbeispiele, die funktionieren
Petr Gaman stellte ein funktionierendes Praxisbeispiel gemeinschaftlicher Energieversorgung vor: die Stadt Rotava, die zwischen 2023 und 2025 den gesamten Prozess durchlaufen hat – von der Konzeption über den Bau einer Photovoltaikanlage bis zur Inbetriebnahme der Energiesharing-Lösung. Photovoltaikmodule auf den Dächern der Grundschule (46,8 kWp), des Gemeindeamts (49,5 kWp) und des Wasserwerks (24,75 kWp) versorgen heute die Kläranlage, ein Pflegeheim, den Kindergarten und die Feuerwache mit gemeinsam genutztem Strom. Die erwartete Amortisationszeit der Investition beträgt 3 bis 4 Jahre.
Lukáš Pongrácz von Východočeská energie führte die Teilnehmer anschließend durch den täglichen Betrieb eines lokalen Verteilnetzes. Východočeská energie betreibt heute 24 lokale Verteilnetze mit mehr als 3.500 Anschlusspunkten und verfügt über umfangreiche Erfahrung aus Wohn-, Gewerbe- und Industrieprojekten.
Jan Denemark schloss den Block mit der Vorstellung des Moduls Energiedataintelligenz in FLOWBOX EMOS. Das System analysiert den Verbrauch von Strom, Wärme, Gas und Wasser und identifiziert automatisch Ineffizienzen – Grundlastverbrauch, dynamische Anomalien, überdimensionierte Viertelstunden-Leistungsreservierungen oder ungünstige Einkaufsmodelle. Das Ergebnis ist nicht nur eine Übersicht, sondern eine quantifizierte Darstellung der finanziellen und CO₂-Auswirkungen jeder Ineffizienz – damit der Energiemanager genau weiß, wo er anfangen soll.
Die Referenten des Forums
- Jan Denemark, FLOWBOX
- Constantin Kinský
- Ivo Apfel, Tesla Energy Group
- Viktor Šaroch, TÜV Nord
- Petr Gaman, FLOWBOX Energy
- Lukáš Pongrácz, Východočeská energie
- Miroslav Zapletal, FLOWBOX

Unser Fazit
Das zweite Forum hat bestätigt: Energiemanagement ist längst kein Thema mehr, das ausschließlich Techniker und Energiefachleute angeht. Unter den Teilnehmern waren auch Mitglieder des Top-Managements.
Es freut uns, dass es gelungen ist, die Teilnehmer untereinander zu vernetzen. Der Austausch von Erfahrungen aus dem realen Betrieb – was funktioniert, was nicht und warum – hat nach unserer Überzeugung einen Wert, den kein Vortrag allein ersetzen kann. Genau deshalb endet das Forum nicht mit dem Verlassen des Vortragssaals.
Unser Dank gilt allen Referenten, Herrn Kinský und seinem Team auf Schloss Žďár, und natürlich jedem, der den Weg zu uns gefunden hat. Wir sehen uns beim dritten Forum!

